___*cant you feel that I love you?

Genre: Slash (LauKi)
FSK: 12
Warnungen: Depri, sad
Disclaimer: Aki und Lauri bestimmen ihr Leben selbst und diese Fic hat nichts mit einem Tagebuch zu tun! 

Destroy Our Live 

Warum hast du dich mir nicht anvertraut? Du weißt, ich wäre für dich da gewesen, hätte dich nicht im Stich gelassen. Trotzdem hast du nichts gesagt. Hast mir deine gute Laune und dein Wohlbefinden nur vorgespielt und ich habe den Fehler gemacht, darauf reinzufallen.Wenn ich es bemerkt hätte, würdest du dann jetzt wie sonst immer hier bei mir sein? Würdest du mit mir reden, lachen, streiten – dich wie früher verhalten?
 Früher... das klingt, als wären die Zeiten, in denen du zufrieden, glücklich und gesund warst, schon Ewigkeiten her, dabei ist gerade mal ein knappes Jahr verstrichen. Trotzdem ist diese Zeit quälend langsam vergangen; für mich zwar nur die letzten Monate, in denen ich von deinem Problem erfahren habe, aber für dich war wohl jede einzelne Minute ein anhaltender Albtraum.
Seit drei Wochen bist du jetzt in der Klinik, Besuch ist nicht gestattet. Dein Zustand ist instabil, bist die meiste Zeit ohne Bewusstsein. Schlägst du einmal deine Augen auf, reagierst du sofort auf die schmerzende Abwehrreaktion deines Körpers und bekommst Medikamente verabreicht, die dich ruhig stellen.
 Unter diesen Umständen ist es wohl irrelevant, ob ich bei dir bin, oder nicht – du würdest mich gar nicht wahrnehmen, doch trotzdem würde ich mich wohler fühlen, dich in meiner Nähe zu wissen. Seit deiner Einweisung sitze ich in meiner Wohnung herum, kann mich auf nichts richtig konzentrieren. Immer wieder lande ich mit meinen Gedanken bei dir, und mache mir eine Form der Ablenkung gänzlich unmöglich.
 Ich habe bereits einige Male im Krankenhaus angerufen, nach deinem Befinden gefragt, doch jedes Mal fiel die Antwort gleich aus; du seist nicht ansprechbar und Besuch wäre noch immer nicht gestattet. Wäre ich ein Familienmitglied, würde man mich ohne Umschweife wenigstens für ein paar Minuten zu dir lassen, doch dieses Privileg habe ich nicht.
Deine Eltern, oder jemand anderes deiner Familie kam bisher nicht ein einziges Mal zu dir, um nach dir zu sehen. Ich habe sie informiert, aber es interessiert es nicht.
Nur deine Schwester, Hanna, wollte sofort zu dir, als ich ihr alles erklärt habe. Derzeit studiert sie in den Staaten und ich konnte sie davon überzeugen, dass sie nicht extra hierher fliegen muss, denn ich würde mich um dich kümmern. Die Tatsache, dass ich noch nicht zu dir darf, hatte ich besser nicht erwähnt. Ohne eine Ablehnung zu akzeptieren wäre Hanna wohl sofort zu dir aufgebrochen, doch auch sie würde nichts ausrichten können, deshalb ist es besser, sie würde sich um ihr Studium kümmern.

 Draußen ist es mittlerweile dunkel geworden. Wieder ein Tag, den ich nur auf meiner Couch und in Gedanken an dich verbracht habe.
Sternenklar ist diese Nacht nicht, stattdessen ziehen dunkle Wolken auf, und lassen auf ein baldiges Gewitter schließen. Tagsüber schien heute die Sonne, ließ sommerliche Gefühle aufkommen, jeder hatte Spaß, doch mir war trotz der eigentlich angenehmen Wärme kalt. Teilweise zitternd verbrachte ich den Tag in diesem Zimmer, aber langsam spüre ich das nicht mehr.
 Ich gewöhne mich an diesen Zustand, denn er hält schon einige Tage an. Ich bin sicher, diese Kälte hat nichts mit meiner Außenwelt zu tun, sondern rührt eher daher, dass ich mich zu nichts im Stande fühle und mich kaum bewege. Aber was soll ich denn tun? Immer und immer wieder denke ich an dich, an vergangene Tage, die wir gemeinsam verbracht haben, an alles, was auch nur entfernt mit dir zu tun hat und mir vorgaukelt, es wäre noch immer alles in Ordnung.

~Past~

“Aki, nun komm endlich!” Ungeduldig liefst du voraus, nur um nach einigen Metern stehen zu bleiben, damit ich dir folgen konnte.
 Ich wusste immer, dass du das Meer liebtest, und gerne an den Strand gingst, doch du warst lange nicht mehr hier und umso mehr freutest du dich über mein Angebot, dich hierher zu fahren. Mir war von vornherein klar, das dieser Tag nichts Besonderes werden würde, sondern nur zum Entspannen diente. Es gab nie einen besseren Ort für dich, um von allem abzuschalten. Hier fühltest du dich wohl, nichts und niemand konnte dich aufregen. Wie für andere Meditation, Sport oder ähnliches ein Ausgleich war, so bedurfte es bei dir nur das Rauschen der Wellen, das Krächzen der Möwen und einen Ausblick, den nicht jeder zu Gesicht bekam.
 Ich war schon öfter mit dir am Strand, doch wir waren nie allein. Nach meinem Vorschlag hattest du dich riesig gefreut und mir dann geheimnisvoll eröffnet, dass du mir eine ganz besondere Stelle zeigen wolltest. Die ganze Autofahrt über schwärmtest du mir von diesem speziellen Ort vor, hattest mir erzählt, wie du ihn damals zufällig gefunden hast, wie gern du dort hingingst und auch, das du vor mir nie jemanden mit dorthin genommen hattest.
 Diese letzten Worte von dir gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich fand es schön, dich so ungezwungen zu sehen, dein Lachen zu hören, doch noch mehr freute ich mich über deinen Wunsch, das ich mit dir kommen sollte. Orte wie dieser, die etwas Besonderes für dich waren, zeigtest du nicht jedem, das war mir schnell klar geworden. Für dich war es eine Art mir zu zeigen, wie wichtig ich dir war.
 Dein `ganz besonderer Platz` stellte sich als eine kleine Bucht heraus, die verborgen lag. Deine Begeisterung über diesen Ort konnte ich gut nachvollziehen. Man erkannte sofort, dass hierher nur wenige Menschen kamen, es war nicht verdreckt, nichts mit Graffitis besprüht, selbst der Sand wies kaum Fußspuren auf. Zusätzlich war man windgeschützt und konnte sich schon allein bei dem Anblick des Meeres, den man von hier aus hatte, entspannen.
 Wir setzten uns irgendwo in den Sand, nahe des Wassers. Keiner sagte ein Wort, wussten aber trotzdem, das der Andere dachte wie man selbst.
 Momente wie dieser waren immer selten und werden es wohl immer sein. Manche erleben einen solchen Augenblick sogar nie; einen Augenblick, des stillen Einverständnisses, vorübergehende Sorglosigkeit, kurz gesagt: man ist einfach nur zufrieden, und sei es für noch so kurze Zeit.

~Present~
 

Es muss bereits mitten in der Nacht sein, als der erste Blitz durch den Himmel zuckt und mein Zimmer für den Bruchteil einer Sekunde erhellt. Kurz darauf hört man den Regen auf die Dächer der Häuser und auf die Straßen prasseln.
 `Bettwetter` hätte ich für gewöhnlich dazu gesagt, doch jetzt zieht es mich regelrecht nach draußen. Nach Ewigkeiten des Stillsitzens rebellieren meine Beine schmerzhaft dagegen an, als ich aufstehe, wollen mein Gewicht nicht tragen müssen. Ich ignoriere es; du musst viel Schlimmeres durchmachen, da werde ich nicht wegen so etwas anfangen zu jammern.
Ich ziehe mir nur eine leichte Sommerjacke über mein Shirt, nehme meinen Schlüssel und verlasse meine Wohnung.
 Es ist ein ungemein befreiendes, angenehmes Gefühl, einfach nur draußen im Regen zu stehen. Die Straßen sind völlig verlassen, nur einzelne Laternen erhellen den Weg, doch selbst die werden durch den starken Regenfall geschwächt.

 Ziellos mache ich mich auf den Weg, laufe aber automatisch in Richtung des Parks, in dem wir häufig waren. Ich brauche nicht lange zu gehen, schon nach kurzem Fußweg stehe ich am Eingangstor und überblicke die vielen Rasenflächen, die Bänke, den entfernten Spielplatz... alles liegt im Dunkeln, verschwimmt durch den starken Regen. Die wenigen Laternen schaffen es hier nicht, den Weg gut zu beleuchten, sodass ich mehr als einmal in Pfützen trete, aber daran störe ich mich nicht.
 Zu diesem Zeitpunkt und angesichts des Wetters ist es zwar nicht verwunderlich, doch trotzdem erscheint mir der Park heute ungewöhnlich still und verlassen. Keine fröhlichen Kinderstimmen, keine Hundebesitzer, keine verliebten Pärchen; nur Dunkelheit. Diesen Anblick hatte ich bisher nur ein Mal – mit dir zusammen.
 An letztes Jahr zurückdenkend gehe ich zu dem Spielplatz und lasse mich auf eine der beiden Schaukeln nieder.
 Hier... genau hier war es, als du mir zum ersten Mal deine Zuneigung offenbart hattest...

~Past~

 “Man sollte meinen, dass du eigentlich zu alt für einen Spielplatz wärst”, sagte ich grinsend, als du dich, mir die Zunge rausstreckend, auf eine Schaukel im Park gesetzt hattest.
“Das ist das Kind im Manne”, erklärtest du mir lachend.
 Kopfschüttelnd nahm ich die zweite Schaukel in Anspruch, wippte damit aber nur in winzigen Abständen hin und her, behielt die Füße immer am Boden. Gänzlich verlassen lag dieser Park vor uns, die Dämmerung neigte sich dem Ende zu. Bis auf die Laternen und ein leicht rötlicher Schein am Himmel lag alles dunkel vor uns.
 Bei deinem unbeschwerten Anblick, wie du schaukeltest und dabei immer wieder kichern musstest, zogst du mich mit; immer wieder musste ich lachen, fand diese Momente mit dir einfach nur schön. Allzu oft zeigtest du dich nicht von dieser Seite, meist nur dann, wenn wir beide allein waren.
 In Gesellschaft wirktest du immer verschlossen und distanziert, selbst unter Freunden. Nie hattest du dein ganzes Wesen offenbart, in etwas verstelltest du dich immer. Das ist nichts Besonderes, jeder Mensch hat Geheimnisse, Charaktereigenschaften, die er nicht jedem präsentieren möchte, aber bei dir war es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Düster und verschlossen, oder fröhlich und mit einer kindlicher Verspieltheit.
 Erschreckt zuckte ich zusammen, als du plötzlich hinter mir standst und mich anstießt, um mich mit der Schaukel in Bewegung zu bringen.
 “Du wirkst ziemlich abwesend”, sagtest du nach einiger Zeit, die wir schweigend verbracht hatten.
 “Ich war nur in Gedanken”, antwortete ich dir.
 Du brachtest meine Schaukel mit einem Mal zum stillstehen, schlangst dann deine Arme um mich. Verwundert drehte ich mich ein wenig zu dir um, deinen Kopf lehntest du an meinen, ich konnte deinen Atem in meinem Nacken spüren und merkte, wie mich ein warmer Schauer überkam.
 “Ich habe in letzter Zeit auch viel nachgedacht”, begannst du leise. Deine Stimmlage schwang in nervösem Zittern hin und her.
 Ich erwiderte nichts, wollte dir weiter zuhören und deine Nähe genießen. Um dir trotzdem meine Aufmerksamkeit zu zeigen, lehnte ich mich ein wenig an dich, was dich dazu veranlasste, deine Umarmung zu verstärken.
 Nie waren wir uns so nahe, wie in diesem Moment, doch wenn ich sagen müsste, dass ich mir eine solche Situation mit dir niemals gewünscht hätte, so müsste ich lügen. Schon oft hatte ich mir vorgestellt, wie es wäre, deine Zuneigung zu erfahren; wie es wäre, deine Wärme zu spüren...
“Ich weiß nicht, ob es richtig ist, dir das zu sagen, aber...”, fuhrst du zögerlich fort. Deine Hände, welche du um meinen Bauch geschlungen hattest, zitterten leicht. Wie um dich zu ermutigen strich ich mit einer Hand über deinen Arm. Ich hörte dich, wie du noch einmal tief durchatmetest, ehe du zu Ende sprechen konntest. “Ich liebe dich, Aki.”
 Zuerst sagte ich gar nichts, realisierte deine Worte nur langsam. Dann aber drehte ich mich in deiner Umarmung noch ein wenig zu dir um, sah in deine Augen, die mir deine Unsicherheit verrieten. Es kostete dich Überwindung, meinem Blick standzuhalten, dass merkte ich deutlich. Um dir deine Angst vor Abneigung zu nehmen, zog ich dich an der schwarzen Krawatte, die du locker um deinen Hals trugst, bis auf wenige Zentimeter zu mir heran.
 Ein leichtes Lächeln umspielte meine Lippen, als ich dich endlich küsste, meine Wünsche begann zu verwirklichen und deine Unsicherheit in Glück verwandelte.
 Unser Kuss erschien mir viel zu kurz, auch wenn wir sicherlich einige Minuten nicht voneinander ablassen konnten, und lange wollte ich diese Trennung auch gar nicht beibehalten. Nur eine kurze Antwort, ehe ich wieder deine Lippen spüren durfte.
 “Ich liebe dich auch, Lauri.”

~Present~

 Einzelne Tränen laufen mir über meine Wangen als ich an diesen Abend mit dir zurückdenke.
Ja, zu diesem Zeitpunkt warst du noch glücklich, nichts war vorgespielt, du warst ehrlich zu mir, ebenso wie zu dir selbst. Du kanntest deine Probleme, hast nichts verdrängt, sondern dich allem gestellt.
 Wann hattest du angefangen, dich selbst zu zerstören? Wann hattest du angefangen, deine Welt auf Lügen zu stützen? Wann war meine Frist zu Ende, in der ich dir noch hätte helfen können?

 Du hattest mir nie gesagt, wann dein Albtraum begann. Genau genommen hattest du mir gar nichts erzählt. Das Einzige, was ich weiß ist das, was ich in dem Streit erfahren habe, als ich dabei erwischte, wie du dir den nächsten Schuss setzen wolltest.
 Angeschrieen hattest du mich. Wolltest von mir wissen, was mir einfiele, dich bevormunden zu wollen, als ich dich von deinem Vorhaben abbringen wollte.
Wutentbrannt hattest du meine Wohnung verlassen und mich fassungslos allein zurückgelassen. Die Frage nach dem `Warum` hast du mir bis heute nicht beantwortet.
 Was hat dich veranlasst, dein Leben so sehr auf den Kopf zu stellen, dass du dich in den Rausch von Drogen flüchten wolltest? Und wieso hast du dich mir nicht anvertraut? Du schienst doch immer so stark... und vor allem wirktest du auch vorher zufrieden, nicht sorgenfrei, aber dennoch war alles lösbar und deine Zufriedenheit war echt.

~Past~

 Jeden Tag bewiest du mir aufs Neue, wie glücklich dich meine Antwort gemacht hatte. Ob du es mir durch kleine Zärtlichkeiten, mit dem was du sagtest, oder auf sonst eine Weise zeigtest – nie hatte ich das Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben; nicht einmal die Angst, unsere Freundschaft durch diese Beziehung leichtfertig aufs Spiel zu setzen, hatte ich.
 Meine Vorstellungen, was du unter `Liebe` verstandst, bestätigten sich. Wer deine Gefühle für sich gewonnen hatte, der besaß zusätzlich dein vollstes Vertrauen. Zudem legtest du eine Leidenschaft an den Tag, wie man sie meist nur aus kitschigen Liebesfilmen kennt. Deine Art, mir deine Aufmerksamkeit zu schenken, dein Lächeln, welches nur mir galt, deine Worte... das alles war etwas Besonderes, etwas, das nur sehr wenige Menschen erfahren dürfen.

 Wie jeden Morgen zogst du dir murrend die Decke über den Kopf, als es nach und nach heller im Schlafzimmer wurde.
 “Komm, steh auf”, forderte ich von dir und piekte dir unter der Decke neckisch in die Seite. Quiekend wandtst du dich, bis du dich wach genug fühltest, um gegen mich anzukommen, nur um letztendlich doch mit deinem Kopf auf meinem Oberkörper weiterschlafen zu können.
Seufzend ergab ich mich und strich dir einige Zeit durch dein wirres Haar, genoss diesen Frieden, deine Nähe und dieses Gefühl von Geborgenheit. Deine Reaktion bestand darin, leise wohlig zu schnurren, manchmal schafftest du es sogar, kleine Küsse auf meiner Brust zu verteilen, doch größtenteils ließt du dich verwöhnen.
 Im Laufe des Tages kam ich auf die Idee, abends wegzugehen. In der Nähe sollte ein neuer Club aufmachen und diese Eröffnungspartys waren meist ziemlich gut. Wir waren schon lang nicht mehr zusammen weg gewesen, bis auf die Dinge, die alltäglich für Pärchen waren, und mein Vorschlag stieß bei dir sofort auf offene Ohren. Beinahe augenblicklich hattest du angefangen, dir gedanklich dein Outfit zurechtzulegen und überlegt, wo du denn diesmal deine Haarspangen hast rumliegen lassen. Dein Sinn für Ordnung war nie sonderlich ausgeprägt.
 Zu einer Zeit, in der Kinder schon im Bett liegen müssen, standen wir vor besagtem Club. Oder anders gesagt, wir warteten darauf, dass der Türsteher endlich entschied, wen er reinlassen würde und wen nicht.
 Für diesen Abend hattest du dich aufgestylt. Komplett in schwarz gekleidet, dein Shirt eng anliegend, dessen Ärmel zu Fetzen zerissen, deine Augen waren dunkel umrandet, was deinem Blick eine seltsame Verführung verlieh, in deinem Haar hattest du nur die vorderen Strähnen mit Spangen fixiert, der Rest stand noch immer wirr, doch es sah trotzdem gut aus, ließ dich irgendwie frecher aussehen.
 Ich hatte mich dir angepasst, auch wenn ich auf Schminke und Haarklammern verzichtet hatte und stattdessen ein schwarzes Basecap aufgesetzt hatte.
 Die ganze Zeit, die wir draußen warten mussten, standst du dicht bei mir, hieltst meine Hand oder zogst mich direkt in eine Umarmung. Ob das nun aufgrund der Kälte oder einfach nur dein Wunsch nach Nähe war, konnte ich nicht einschätzen, aber ich denke, es hatte mit beidem zu tun.
 Endlich drinnen zogst du mich zuerst zur Bar, wo wir uns einen Cocktail bestellten, um die innere Kälte zu vertreiben. Wir beschäftigten uns die erste Zeit, in der noch nicht viel los war, da alle Anderen auch erst auftauen mussten, damit, diesen Club mit anderen die wir kannten zu vergleichen.
 Irgendwann später verschlug es uns auf die Tanzfläche, wo du mir erneut dein Können bewiest, mich allein durch deine Bewegungen anzumachen. Ganz nah tanzten wir zusammen, jede deiner Berührungen wirkte elektrisierend auf mich. Um mich herum war gar nichts mehr, ich nahm nur noch dich wahr.
 Nach unzähligen Liedern auf der Tanzfläche und noch einigen Cocktails an der Bar gingst du zur Toilette; eigentlich etwas völlig normales, doch nachdem du über eine Viertelstunde nicht wiederkamst, wollte ich nach dir sehen.
 Ich fand dich auf dem Männerklo wieder. Du schienst wie immer auf mich, wuschst dein Gesicht mit kaltem Wasser, was deine Schminke verlaufen ließ. Du sahst ziemlich geschafft aus, aber nach der Menge an Alkohol die du bereits getrunken hattest, wunderte mich das nicht wirklich.
“Wollen wir nach Hause gehen?”, fragte ich dich und versuchte dir vergeblich ein wenig beim abwischen der Schminke zu helfen.
 Du sahst mich mit verklärtem Blick an, nicktest dann aber langsam und ließt dich von mir nach Hause schleifen. Dort angekommen war nichts mehr mit dir anzufangen. Ohne dich auszuziehen legtest du dich ins Bett und warst fast augenblicklich eingeschlafen.

~Present~

 Schwerfällig stehe ich von der Schaukel auf, will weg von diesem Ort. Die Erinnerungen sind schmerzhaft, obwohl es dazu keinen Grund gibt. Du hast mir nicht wehgetan, mir nicht das Herz gebrochen... jedenfalls nicht auf traditionelle Art. Du hast mich nicht betrogen, du hast mich nicht verlassen – das Alles hast du bei dir selbst getan.

 Nach und nach hast du dich kaputt gemacht und somit auch mich. Nur war ich so naiv, es nicht zu bemerken. Die Wahrheit ist mir dann umso grausamer ins Gesicht geknallt worden.

 Mit langsamen Schritten mache ich mich auf dem Heimweg. Der Regen wird mittlerweile schwächer, selbst der Horizont färbt sich rosa. Ich war die ganze Nacht hier draußen, habe wieder nur an dich gedacht.
 Du ziehst mich mit. Geht es dir gut, dann bin auch ich glücklich. Geht es dir schlecht, fühle ich mit dir. Und genauso ist es jetzt. Das Ausmaß deiner Schmerzen kenne ich nicht, und trotzdem fühle ich mich, als wäre alles zu Ende. Sinnlos und ohne einen Funken Hoffnung, der es lohnenswert machen würde, zu kämpfen.
 Kämpfst du denn noch um dein Leben? Aus den spärlichen Informationen der zuständigen Ärzte kann ich mir keine Lösung entnehmen. Immer wieder bekomme ich die gleiche Antwort und sie nützt mir nichts.
 Aber was würde mir diese Antwort auch bringen? Eigentlich nichts. Doch trotzdem – würde ich erfahren, dass sich dein Zustand immer mehr verschlechtert, fände ich aus meinen Depressionen wohl nicht mehr heraus. Was soll ich denn ohne dich tun? Eine Welt ohne dich ist unvorstellbar geworden...

 Zu Hause angekommen fällt mein Blick sofort auf mein Telefon und mein Herzschlag setzt für einen Moment aus.
 Das rote Lämpchen des Anrufbeantworters blinkt in regelmäßigen Abständen auf, signalisiert eine Nachricht. Wer sollte mich mitten in der Nacht anrufen? Früher hast du das einige Male getan, aber du bist derzeit nicht in der Lage dazu und übrig bleibt... der Arzt, den ich bat mich zu egal welchem Zeitpunkt zu informieren, wenn dein Zustand sich verändern würde.
 Mit zitternden Fingern betätige ich die Abspieltaste und höre mit angehaltenem Atem der Stimme eines Mannes zu. Einem Mann, der mir endlich die erhoffte Nachricht bringt.
 “Guten Abend, Herr Hakala. Entschuldigen Sie die späte Störung, aber sie wollten informiert werden, wenn sich der Zustand von Herrn Ylönen stabilisiert hat – nun, er hat sich soweit erholt, dass Sie ihn gern morgen besuchen kommen können. Ob er dann aber wach sein wird, kann ich Ihnen nicht versprechen.”
 Ungläubig spule ich die Nachricht ein Stück zurück, drücke erneut die Play-Taste. “...soweit erholt, dass Sie ihn gern morgen besuchen kommen können. Ob er dann aber wach sein wird, kann ich Ihnen nicht versprechen.”
 Entkräftet lasse ich mich auf meine Couch fallen, lehne mich zurück und schließe die Augen. Dein Zusand ist wieder in Ordnung, ich darf dich endlich sehen...
 Schon wieder stehen mir Tränen in den Augen, doch jetzt symbolisieren sie pure Erleichterung.
Es geht dir besser. Endlich geht es dir wieder besser; endlich darf ich zu dir. Schon allein diese Meldung löst eine Art Glücksgefühl in mir aus, selbst der Gedanke, dass du schlafen könntest, wenn ich komme, ist nicht allzu störend. Die Hauptsache ist, dass du nicht mehr allein sein musst, denn das wolltest du nie sein.
 Ich kann dich verstehen. Die letzte Zeit hat mir bewiesen, wie grausam Einsamkeit sein kann.

~Past~

 “Musst du heute noch weg?” Erstaunt sahst du mich, als ich mir meine Schuhe anzog.
Ich kam auf dich zu, küsste dich, ehe ich dir mit einem Nicken antwortete.
“Wohin denn?”
 “Ach Lauri!” Lächelnd tippte ich dir mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze, woraufhin du deine Wangen wie ein Hamster aufplustertest und mich beleidigt ansahst. “Denkst du, das verrate ich dir jetzt? Freu dich einfach auf deinen Geburtstag morgen.”
 Mit einem enttäuschten Seufzen ließt du mich los und ich konnte mich auf den Weg machen, um dir endlich dein Geschenk zu besorgen.
 Eigentlich hätte ich es schon längst haben sollen, aber da ich eine Sonderanfertigung vom Juwelier haben wollte, hatte dieser mich auf eine Warteliste gesetzt, aber glücklicherweise, wurde es gerade rechtzeitig fertig.
 Ich hatte dir eine neue Kette geholt. Passend zu deinem Armband sollte der Anhänger eine Rasierklinge aus Silber sein, doch statt irgendwelchen eingravierten Symbolen wollte ich unsere Initialen darauf haben. Meine Bestellung wurde mit einem Stirnrunzeln des Verkäufers entgegengenommen, aber ihn hatte es nicht zu interessieren, was ich wofür bestellte.
 Prüfend betrachtete ich auf dem Heimweg die neuerworbene Kette, packte sie im Fahrstuhl aber wieder behutsam in das dafür vorgesehene Kästchen, schließlich wollte ich dir die Überraschung nicht verderben.
 “Lauri?” Als ich die Wohnung betrat empfing mich eine ungewohnte Stille. Keine Musik, die du sonst immer laufen hattest, der Fernseher war aus, nicht einmal irgendwelche Geräusche konnte ich hören.
 Erst als ich ins Wohnzimmer ging, hörte ich hinter mir die Badtür aufgehen und du kamst mit müdem Blick heraus.
 Als du mich sahst, zucktest du leicht, kaum merklich zusammen, wandtst deinen Blick von mir ab und liefst wortlos an mir vorbei ins Schlafzimmer.
Ich folgte dir, setzte mich zu dir aufs Bett. Du hattest dich bereits hingelegt, das Gesicht in den Kissen versteckt.
 “Ist alles in Ordnung?”, fragte ich dich leise, strich dir leicht über deinen Rücken.
Deine Antwort kam mit einer seltsamen Verzögerung, gerade so, als hättest du meine Frage erst gar nicht vernommen. “Ich bin nur etwas müde”, erwidertest du mit krächziger Stimme, sahst mich noch immer nicht an. “Lässt du mich schlafen? Dann bin ich morgen wieder fit.”
 Ich leistete deinem Wunsch folge, küsste dich noch ein letztes Mal sachte auf die Wange und ließ dich dann allein.

 “Aki, das... das... die ist... Wow!” Das war deine Reaktion am nächsten Morgen, als du die Kette auspacktest.
“Sie scheint dir zu gefallen”, meinte ich lächelnd.
“Ja, natürlich”, erwidertest du mit leuchtenden Augen und fielst mir um den Hals, küsstest mich immer wieder. “Bindest du sie mir um?”
 Du gabst mir die Kette, drehtest dich um und hobst deine Haare ein wenig an, um deinen Nacken freizumachen. Ich band sie dir um, woraufhin du dich wieder mir zugewandtst und mich wieder geküsst hattest.
“Alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz”, konnte ich dir gerade so zwischen weiteren Küssen sagen, und schaffte es so, dir ein weiteres Lächeln zu stehlen

~Present~

Als ich meine Augen aufschlage, ist es draußen bereits hell. Ich muss eingeschlafen sein.
Ein Blick auf die Uhr zeigt mir an, dass bereits Mittagszeit ist. Ich hätte also schon längst zu dir gehen können...
 Hektisch ziehe ich mir neue Klamotten an, mache mich im Bad nur notdürftig etwas frisch und laufe runter zu meinem Auto.
 Der Weg zum Krankenhaus ist nicht weit, doch trotzdem kommt es mir wie eine Ewigkeit vor. Jede Ampel scheint vor mir auf rot zu schalten und dies auch länger als gewöhnlich zu bleiben.
Nach einer endlosen Viertelstunde stehe ich endlich vor dem Eingang zum städtischen Krankenhaus und frage die Empfangsdame ungeduldig nach deiner Zimmernummer.
Als ich diese habe, laufe ich die Treppen hoch in dein Stockwerk, ich hätte jetzt nicht die Nerven, auf den Fahrstuhl zu warten.
 Vor deinem Zimmer angekommen, zögere ich dann doch. Drei Wochen durfte ich dich jetzt nicht sehen... was ist in dieser kurzen Zeit aus dir geworden? Ist es dir überhaupt recht, dass ich der Erste bin, der dich besuchen kommt? Willst du mich sehen? Oder habe ich dich zu sehr enttäuscht? Würdest du mir Vorwürfe machen, dass ich dein Leiden nicht erkannt habe?
Mit zittriger Hand drücke ich letztendlich leise die Türklinke nach unten, betrete leise dein Zimmer.
 Du liegst im Bett, hast deine Augen geschlossen, scheinst zu schlafen.
Dein Gesicht wirkt eingefallen und du hast dunkle Augenringe. Dein ganzer Körper wirkt abgemagert... wie habe ich das nicht bemerken können?
Neben deinem Bett stehen einige Geräte, manche piepen in regelmäßigen Abständen, andere werden mit Schläuchen, die zu deiner Hand verlaufen, mit dir verbunden. Ein paar zeichnen Zahlen auf, doch welche wird auf der Anzeige nicht erklärt.
 Beinahe lautlos ziehe ich einen Stuhl zu dir heran, setze mich nahe zu dir, streiche dir leicht über deinen Arm, der mir noch viel zu kalt erscheint.
 Deine Hand zuckt leicht unter meiner Berührung auf, doch weitere Reaktionen lassen sich nicht erkennen.

~Past~

Ich kam früher als erwartet von der Hochzeit einer meiner Cousinen nach Hause zurück, wollte dich überraschen und als eine Art Wiedersehensfeier mit dir abends essen gehen.
Gut gelaunt kam ich in meine Wohnung, in der du auch während meiner Abwesenheit geblieben bist und fand dich in der Küche wieder. Allerdings botst du mir einen Anblick, den ich niemals vergessen werde.
 Du hattest dich auf das Fensterbrett gesetzt, sahst mit abwesendem Blick nach draußen, hast mein Kommen gar nicht bemerkt.
 Ohne hinzusehen, wie eine beiläufige Bewegung führtest du deine rechte Hand an deinem linken Arm hoch und erst jetzt fiel sie mir auf. Die Spritze, die du festhieltest, bereits an die Haut gesetzt hattest.
 “Lauri!” Ob ich deinen Namen nur geflüstert oder laut gerufen hatte, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass du mich erschrocken angesehen hast und die Nadel bereits leicht deine Haut durchstochen hatte.
 Im Nachhinein weiß ich, wie leichtfertig es war, als ich dir die Spritze einfach weggerissen hatte, nur um sie in die nächste Ecke zu schmeißen. Ein einzelner Blutstropfen bildete sich an der Einstichwunde, mehr nicht.
 “Was sollte das, verdammt nochmal!?”, wollte ich von dir wissen. Ich war wütend auf dich. Ich war enttäuscht und irritiert. Warum hattest du das getan?
 “Warum bist du schon zurück?”, war deine Gegenfrage. Deine Stimme klang schlaff und deine sonst so funkelnden Augen blickten mich matt an.
 “Das spielt doch keine Rolle! Lauri – was hast du getan, während ich weg war??” Diesmal klang meine Frage schärfer, selbst mein Tonfall wurde lauter.
 “Das geht dich nichts an!”, erwidertest du schroff, wolltest aufstehen und von mir weggehen.
Ich drückte dich an der Schulter zurück auf die Fensterbank, wollte dich jetzt nicht gehen lassen, sondern eine Erklärung hören.
 “Aki! LASS MICH IN RUHE!! Es geht dich einen SCHEIßDRECK an, was ich mache! Du führst dich auf wie meine Mutter und willst mich bevormunden! Denkst du, das lasse ich mit mir machen?? VERGISS ES!! Und jetzt LASS MICH LOS!!”
 Bei deinem letzten Satz hattest du dich losgerissen und wütend die Wohnung verlassen. Ich wollte dir hinterherlaufen, doch ich konnte nicht. Meine Beine waren zittrig und nun war ich es, der auf der Fensterbank saß.
 Fassungslos starrte ich auf die Spritze, die am anderen Ende des Raumes lag, die Nadel vorn bereits leicht rot gefärbt... Wie lange hattest du das bereits getan??

 Immer und immer wieder wählte ich deine Telefonnummer, schrieb dir SMS, klingelte Sturm an deiner Tür – auf nichts davon hattest du reagiert.
 Als ich zum unzähligtsten mal vor deiner Tür stand und wie von Sinnen dagegen hämmerte, war deine Wohnung nicht einmal beleuchtet, obwohl es bereits Abend war. Trotzdem wusste ich, dass du zu Hause sein musstest.
 “Lauri, ich bitte dich... lass den Scheiß...!” Die ganze Zeit rief ich dir solche Dinge zu, du hattest es mit Sicherheit gehört.
 Entkräftet und mit den Nerven am Ende, sank ich irgendwann an deiner Tür herrunter, wusste einfach nicht, was ich tun sollte.
 Den Kopf gegen die Wand gelehnt flüsterte ich immer wieder die selben Worte – “Hör auf damit” – wie eine Beschwörungsformel, doch ich wusste, das es sinnlos war.

 Als ich nach fünf Tagen noch immer kein Lebenszeichen von dir hatte, konnte ich nicht länger warten. Ob nun mit oder ohne Gewalt, ich musste zu dir!
 Über eine Stunde klingelte ich an deiner Tür, klopfte ununterbrochen, doch als du nicht reagiertest, war mir jeglicher Schaden egal. Zwei kräftige Tritte reichten aus, um deine Tür aufzubrechen, und ich war endlich in deiner Wohnung.
 Verbrauchte Luft schlug mir entgegen, alles lag im Dunkeln vor mir. Ich ging geradewegs in dein Wohnzimmer, fand dich dort auch gleich.
 Du lagst auf der Couch, oder besser gesagt hingst du halb im Sitzen über der Lehne. Deine Arme hingen schlaff herunter, der linke wies sogar sichtbare neue Einstiche auf.
 Direkt unter deiner Hand lag eine dieser verdammten Spritzen, auf dem Tisch irgendwelche Ampullen und kleine, durchsichtige Tüten, die teilweise noch ein weißes Pulver enthielten, doch so wie es aussah, hattest du bereits einen Großteil verbraucht.
 Ich wollte dich wecken, versuchte dich wachzurütteln, rief immer wieder deinen Namen, doch du reagiertest nicht. Erst da bemerkte ich, wie kalt dein Körper war, nur dein Gesicht schien zu glühen, deine Stirn war fiebrig heiß und dein Atem ging schwach und unregelmäßig. Schweißperlen liefen deine Wangen hinab, deine Haut war blass, du hattest tiefe Augenringe...
Ohne weiter zu überlegen, oder einen neuen Versuch zu starten, dich irgendwie wach zu bekommen, wählte ich die Nummer des Notarztes und keine halbe Stunde später wurdest du mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren.
 Ich wurde allein in deiner Wohnung zurückgelassen und verstand die Welt nicht mehr.

~Present~

“Ich habe dich früher erwartet.” Deine leise, kratzige Stimme reißt mich aus meinen Gedanken, irritiert sehe ich dich an.
 Du hältst deine Augen weiterhin geschlossen, doch ein schwaches Lächeln umspielt deine Lippen.
 “Lauri...”, meine Stimme versagt mir, ich klinge kaum besser als du.
 Eine Weile ist es still zwischen uns, bis du deine Augen doch aufschlägst und dich mir zuwendest.
 “Es tut mir leid, Aki.”
 Ich sehe dich an, weiß nichts darauf nichts zu erwidern. Was soll ich dir denn darauf antworten? Soll ich dir sagen, wie wütend du mich gemacht hast? Wie sehr du mich enttäuscht hast? Wie ich fast umgekommen bin, vor Sorge um dich?
 Oder soll ich meinen Gefühlen Ausdruck verleihen, dir diesen Fehler verzeihen und das Geschehene vergessen? Soll ich dir heulend um den Hals fallen und dir einfach nur sagen, wie glücklich mich die Tatsache macht, dich endlich wieder sehen, sprechen und berühren zu können?
 Lange halte ich deinem Blick nicht Stand, sehe auf meine Hand, die noch immer auf deinem Arm ruht. Erst jetzt bemerke ich, dass ich zittere.
 Für einen Moment fühle ich mich, als würde alles noch einmal auf mich einstürzen. Alles, was passiert ist; alles, was du gesagt und getan hast; alles, was ich in dieser Zeit gefühlt habe.
 Heiße Tränen laufen mir übers Gesicht, als ich es endlich schaffe, dich zu fragen. “Warum hast du das getan? Welchen Grund hattest du?”
 Du schlägst deine Augen auf, das helle Licht hier drinnen blendet dich und du blinzelst ein paar Mal. Deine Augen haben ihren früheren Glanz noch nicht zurückgewonnen; noch immer erscheinen sie mir matt.
 Mühsam versuchst du dich aufzurichten, doch dein Körper ist noch zu schwach dafür. Stattdessen ziehst du mich zu dir aufs Bett, umschlingst mit einem Arm meinen Bauch.
 “Es gab keinen Grund”, sagst du und siehst mich traurig an.
 Verständnislos starre ich dich an. “Wieso... dann?”, frage ich mit brüchiger Stimme.
 “Ich wollte es gar nicht soweit kommen lassen... ich dachte, ich hätte es im Griff, verstehst du?”
 “Nein, ich verstehe es nicht!”, entgegne ich, diesmal mit fester Stimme. Wie sollte ich das auch verstehen??
 Hilflos blickst du mich an suchst nach den richtigen Worten, um mir das Passierte zu erklären.
 “Es hat angefangen, als wir in diesem Club waren... so ein Typ hatte mir auf dem Klo was angedreht... so ganz erinnere ich mich an den Abend gar nicht mehr... ich weiß nur, dass er keine Ruhe gelassen hatte und sogar ziemlich grob wurde... und naja, dann kamst du gerade dazu, als ich wieder allein war... ich hatte nur gehofft, dass du es nicht bemerken würdest...”
 “Ich weiß nicht viel über Drogen, Lauri, aber ich weiß, dass man nicht von einem Mal abhängig wird”, sage ich ruhig, warte auf weitere Erklärungen deinerseits.
“Wird man auch nicht. Ich kann dir nicht einmal sagen, warum ich es danach nochmal getan habe... ich weiß es wirklich nicht. Es war, als wäre irgendein Verlangen da... nur schwach, aber du merkst es trotzdem... und dem gibst du irgendwann nach, denkst, es bleibt nur bei diesem einen Mal... und dann kommst du aus dem Sog nicht mehr raus..., so war es jedenfalls bei mir.”
 “Warum hast du nicht mit mir geredet? Ich hätte dir doch geholfen...”, sage ich und sehe dich an.
 Du senkst deinen Blick, ein leises Seufzen verlässt deine Kehle. “Dafür gab es zwei Gründe. Hauptsächlich, weil ich mir mein Problem... diese... diese Sucht nicht eingestehen wollte. Zum Anderen war es mir unangenehm, dir das zu sagen. Ich hätte auch gar nicht gewusst, wie ich es dir hätte sagen sollen... es war mir einfach peinlich...”
 “Lauri... ich bin doch für dich da, da kannst du sonst was angestellt haben.”
 “Ich weiß.” Du siehst mich an, lächelst, auch wenn es ein wenig traurig wirkt. “Ich kann mich nur bei dir entschuldigen... wenn du mich nun nicht mehr sehen willst... – ich würde es verstehen.”
“Würde ich dich nicht mehr sehen wollen, dann wäre ich doch jetzt nicht hier, oder?”, will ich von dir wissen und tue etwas, was ich schon seit langer Zeit vermisst habe.
Langsam beuge ich mich zu dir herunter, küsse sachte deine Lippen, welche ein wenig rau sind, doch trotzdem kommt es mir wunderbar vor, denn endlich weiß ich wieder, woran ich bei dir bin.
 Du erwiderst den Kuss. Legst mit schwachen Berührungen deine Hand in meinen Nacken und ziehst mich enger an dich. Nach diesen Wochen ohne dich ist selbst dieser einfache Kuss ein berauschendes Gefühl und die Tatsache, dass es dir wirklich besser geht, besser als ich es angesichts der Nachricht heute Nacht erwartet hatte, macht mich glücklicher, als du es dir vorstellen kannst.
 Als wir uns voneinander lösen beschäftigt mich nur noch eine letzte Frage, ehe ich ganz beruhigt sein kann. “Ist es jetzt vorbei? Oder musst du noch in eine Klinik wegen dem Entzug oder sowas?”
 Lächelnd schüttelst du den Kopf. “Nein, die Zeit, die ich hier war, war eigentlich schon ähnlich wie eine Entzugstherapie, nur ein wenig heftiger, weil mein Körper dem so plötzlich ausgesetzt wurde. So hat es mir jedenfalls der Arzt erklärt”, meinst du schulterzuckend. “Wenn ich will, kann ich mich trotzdem für ein paar Monate melden, aber ich denke, das wird nicht nötig sein. Du passt ja jetzt wieder auf mich auf”, fügst du mit einem schelmischen Grinsen hinzu.
 “Besser als vorher, das verspreche ich dir”, sage ich ernst, bevor ich dich immer und immer wieder küsse, deine Nähe spüren muss.




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